#Mythen #Märchen #Manuals | 3 | Die Anleitung brauchen wir nur wegen der Vorschriften
Warum Technische Dokumentation weit mehr ist als juristische Pflicht
In jeder Branche und jedem Fachbereich halten sich hartnäckig Gerüchte und entwickeln sich sogenannte Mythen: Fakten, die ungeprüft als Wahrheiten herausposaunt werden aber bei genauer Prüfung (oder kurzem Nachdenken mit gesundem Menschenverstand) schnell widerlegt werden können.
Die Technische Kommunikation ist ein echtes Mythenbiotop. Viele Mythen rund um die Erstellung von Bedienungsanleitungen oder die Arbeit in einer Technikredaktion halten sich erstaunlich hartnäckig. In unserer Serie #Mythen #Märchen #Manuals beleuchten wir, wie diese Märchen und Mythen entstehen konnten und räumen auf mit Unwahrheiten.
MYTHOS 3: „Die Anleitung brauchen wir nur wegen der Vorschriften“
Warum Technische Dokumentation weit mehr ist als juristische Pflicht
Bevor ein Kunde entscheidet, ob er seine Technische Dokumentation an unsere MAXKON Technikredaktion outsourcen möchte, finden Gespräche statt, bei denen wir nach Sorgen, Problemen und Nöten fragen. In diesen Gesprächen zur Projektanbahnung fällt häufig der Satz: „Die Anleitungen brauchen wir für die rechtliche Absicherung.“ Klar, gesetzlich vorgeschrieben sind Bedienungsanleitung und Co., denn wer Maschinen oder technische Produkte in der EU in Verkehr bringt, muss sicherstellen, dass sie die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der geltenden EU-Richtlinien erfüllen – etwa der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG oder künftig der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Und dafür ist eine Anleitung unerlässlich. Aber wir halten es für ein Märchen, dass die Technische Dokumentation nur ein notwendiges Übel ist. Im Gegenteil: wir finden, mit dieser Betrachtungsweise wird enormes Potenzial verschenkt!
Der Ursprung des Mythos
Die Vorstellung, Dokumentation sei in erster Linie ein juristisches Pflichtprogramm, kommt nicht von ungefähr. Normen, Richtlinien und gesetzliche Anforderungen schreiben in vielen Branchen verbindlich vor, dass Produkte dokumentiert werden müssen. Diese Vorgaben sind real, verbindlich und keineswegs optional. Genau hier beginnt jedoch die Verkürzung und entsteht der Mythos: Aus „Dokumentation ist vorgeschrieben“ wird schnell „Dokumentation dient nur dazu, Vorschriften zu erfüllen“. Der Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen ist größer, als es auf den ersten Blick scheint. Während die erste korrekt ist, führt die zweite zu einer Denkweise, die Dokumentation systematisch unterschätzt.
Wenn Technische Dokumentation nur als Pflicht gesehen wird
Sobald Dokumentation ausschließlich als regulatorische Last verstanden wird, verändert sich ihr Stellenwert bei der Produktentwicklung. Sie wird nicht mehr als Teil des technischen Produkts betrachtet, sondern als externe Anforderung. Als etwas, das man erledigen muss, aber nicht wirklich braucht. Das wirkt sich unmittelbar auf die Qualität des Inhalts und auf den Zeitpunkt der Anleitungserstellung aus. Inhalte werden erst spät erstellt, Ressourcen knapp bemessen, Abstimmungen verkürzt. Ziel ist nicht mehr gute Dokumentation, sondern ausreichende Dokumentation. Der Fokus verschiebt sich von Nutzen zu Mindestanforderung. Langfristig führt genau diese Haltung zu Problemen.
Technische Dokumentation ist Teil des Produktlebenszyklus
Ein Produkt endet nicht beim physischen oder digitalen Objekt. Es umfasst alles, was Nutzer benötigen, um es sicher, effizient und korrekt einzusetzen. Anleitungen sind deshalb kein Zusatz, sondern ein integraler Bestandteil eines technischen Produktes und wichtiges Element der Nutzererfahrung. Wer jemals versucht hat, ein komplexes Gerät ohne verständliche Anleitung zu bedienen, weiß, wie schnell Frustration entsteht. Unklare Schritte, fehlende Hinweise oder schwer auffindbare Informationen führen zu Fehlbedienung, Supportanfragen oder sogar zu Schäden am technischen Produkt und im schlimmsten Fall zu Verletzungen von Menschen. Eine gut gemachte Anleitung dagegen sorgt für sichere Anwendung, reduziert Supportaufwand, beschleunigt Einarbeitung und erhöht ganz nebenbei auch noch die Kundenzufriedenheit (ein nicht unerheblicher Marketingeffekt!). Sie wirkt nicht spektakulär – aber genau darin liegt ihre Stärke. Sie funktioniert im Hintergrund und sorgt für Sicherheit und Komfort rund um das technische Produkt.
Supportkosten entstehen nicht nur durch fehlerhafte Produkte, sondern oft durch fehlende Informationen
Ein Blick in Supportabteilungen zeigt ein wiederkehrendes Muster: Ein großer Teil der Anfragen betrifft keine technischen Defekte am Gerät oder der Maschine, sondern Verständnisprobleme. Nutzer wissen nicht, wie etwas funktioniert, wo sie eine Einstellung finden oder was eine Fehlermeldung bedeutet. In solchen Fällen ist nicht das Produkt das Problem, sondern die Informationsvermittlung. Jede Frage, die im Support ankommt und eigentlich in einer Anleitung hätte beantwortet werden können, kostet Zeit, Geld und Ressourcen. Gute Anleitungen wirken wie ein Filter: Sie beantworten Fragen, bevor sie in der Supportabteilung gestellt werden.
Rechtliche Absicherung funktioniert nur mit Qualität
Ironischerweise untergräbt der Mythos vom „notwendigen Übel“ sogar genau den Zweck, den er betont. Wenn Anleitungen nur mit diesem Anspruch erstellt werden und die Anleitungserstellung nicht ernst genommen wird, leidet ihre Qualität. Unklare Formulierungen, falsche Benennung, Lücken oder widersprüchliche Angaben sind dann keine Ausnahme, sondern typische Folgen. Gerade im juristischen Kontext ist jedoch das Gegenteil gefragt: Klarheit, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit. Schlechte Anleitungen schützen nicht. Sie können im Ernstfall sogar zum Risiko werden. Wer hingegen die Anleitungserstellung ernst nimmt, stärkt seine rechtliche Position. Nicht trotz, sondern wegen ihres inhaltlichen Werts.
Technische Dokumentation als strategisches Werkzeug
Unternehmen, die Anleitungen nicht als Pflicht, sondern als strategischen Bestandteil betrachten, nutzen sie aktiv. Sie setzen sie gezielt ein, um Produkte verständlicher zu machen, Schulungen zu erleichtern oder Märkte schneller zu erschließen. In solchen Unternehmen wird die Technische Dokumentation nicht nachgelagert, sondern mitgedacht. Sie ist Teil der Produktentwicklung, der Qualitätssicherung und der Kundenkommunikation. Der Unterschied zeigt sich schnell: Inhalte sind konsistent, aktuell und auf die einzelnen Zielgruppen zugeschnitten. Der Aufwand ist nicht unbedingt größer, aber die Wirkung!
Der Perspektivwechsel verändert alles
Der entscheidende Schritt besteht darin, Anleitungen nicht mehr als Aufwand oder Kostenfaktor zu betrachten, sondern als Werttreiber. Dieser Perspektivwechsel wirkt unscheinbar, verändert aber die gesamte Herangehensweise. Plötzlich geht es nicht mehr darum, Anforderungen zu erfüllen, sondern Nutzen zu schaffen. Dann werden Anleitungen vom Pflichtpunkt zum Qualitätsfaktor.
Zusammenfassung
Der Mythos, Technische Dokumentation sei lediglich ein notwendiges Übel zur rechtlichen Absicherung, hält sich hartnäckig, weil mehr als ein Körnchen Wahrheit darin steckt. Ja, Vorschriften spielen eine Rolle. Aber sie sind nur ein Teil des Ganzen. In Wirklichkeit sind Anleitungen weit mehr: Wissensspeicher, Supportinstrument, Qualitätsfaktor und Nutzerhilfe sowie Marketinginstrument und Mittel zur Kundenbindung zugleich. Wer Anleitungen und Co. ausschließlich als juristische Pflicht behandelt, unterschätzt ihren Einfluss und verschenkt wertvolle Chancen. Technische Dokumentation ist kein lästiger Anhang des Produkts. Sie ist ein Teil davon. Und wie bei jedem Produktbestandteil entscheidet die Qualität darüber, ob sie nur existiert oder echten Mehrwert liefert.
Auch wenn die Technische Dokumentation kein lästiger Anhang Ihres Produktes ist, müssen Sie sich nicht mit ihrer Erstellung herumschlagen. Wir nehmen Ihnen das gerne ab! Schreiben Sie uns oder rufen Sie an, wir beraten Sie gerne, wie wir Sie entlasten und von der (vielleicht für Sie) unliebsamen Aufgabe der Technischen Dokumentation befreien können.
+49 (0)341 355821 80
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